Berufskolleg an der Lindenstraße

Projekt Zukunftsperspektive – Ausbilder, Azubis und Lehrer überdenken die Ausbildung im Dialogmarketing

Am 27.10.2015 lud das Berufskolleg an der Lindenstraße in Köln zur jährlichen Kooperationstagung im Dialogmarketing ein. Neben zahlreichen Verantwortlichen für die Ausbildung, Lehrerinnen und Lehrern sowie Auszubildenden diskutierten auch die zwei hochkarätigen Branchenverbandsvertreter Torsten Preiß (DDV) und Walter Benedikt (CCV) über die Zukunft der Ausbildung im Dialogmarketing.

„Wir konnten einfach nicht verstehen, wie man so einen kleinen Welpen aussetzen kann. Und ab da war das nicht mehr nur ein Schulprojekt, sondern eine Herzenssache.“, erklärte die Schülerin Lena Königsfeld den Einsatz, den sie mit ihrer Dialogmarketing-Klasse entwickelt hatte. Sie und Ihre Klassenkameradinnen und –kameraden sammelten für das Zollstocker Tierheim über 2800 Euro an Spenden, halfen Gehege zu renovieren und ermöglichten es, dass eine mit Bakterien verseuchte Hundewiese saniert werden konnte.

Andere angehende Kaufleute im Dialogmarketing organisierten zusammen mit dessen Bewohnern ein Sommerfest in einem Kölner Altenheim und wiederum andere ein Frühstück und einen Streetshop für Obdachlose. Diese bekamen so neue Kleidungsstücke geschenkt. In den Präsentationen der Schülerinnen und Schüler zeigte sich aber nicht nur das große persönliche Engagement, das sie dazu verleitete, mehrere Samstage dafür zu opfern, Sachspenden auf Flohmärkten oder Kuchen und Waffeln in ihren Betrieben und in der Schule zu verkaufen. Sie bewiesen auch, dass sie mit fundierten Kenntnissen im Projektmanagement an diese Herausforderungen herangegangen waren.

„Das ist Dialogmarketing.“, sagte dazu Torsten Preiß, Mitglied der Geschäftsführung der Prodialog Telemarketing GmbH & Co. KG und zudem im Vorsitz des Council Customer Services des Deutschen Direktmarketingverbandes (DDV), in seinem darauf folgenden Vortrag „Kauffrau/Kaufmann für Dialogmarketing – heute in der Ausbildung, morgen in der Führungsposition“.

„Nur eines fehlt…“, und er blickte in die plötzlich erstaunten Gesichter seines Publikums.

„Das Headset!“, löste er die Spannung auf und leitete damit auch sofort zu dem Thema des Images des Dialogmarketings in der Öffentlichkeit über. Er spielte drei leicht im Internet zu findende Filme zum Dialogmarketing an, die alle mit Bildern aus Callcentern begannen. Auch die Berufsbeschreibungen auf Internetseiten wie denen der IHK und der Agentur für Arbeit würden das Berufsbild als eher unattraktiv darstellen: der Arbeitsplatz sei zum Beispiel eine „Kabine“ und man müsse ein „dickes Fell beim Umgang mit schwierigen Kunden“ haben. - „Wer so etwas liest“, so Preiß, „der klickt schnellstmöglich zum nächsten Beruf weiter und nimmt dann gar nicht mehr wahr, dass es vor allem um solch spannende Themen wie Projektmanagement, Marketing und Personalführung geht.“ Tatsächlich sei die Werbung für die Ausbildung mit dem Headset irreführend und Betriebe, die ihre Auszubildenden nur telefonieren ließen, dürften eigentlich keine Kaufleute für Dialogmarketing ausbilden, da sie nicht die Komplexität des Berufsbildes abbildeten. Er traf auf die Zustimmung seiner Zuhörer, als er schlussfolgerte: „Das müssen wir in die Köpfe der jungen Leute aber auch der Ausbilder bekommen.“ Das Telefonieren müsse man zwar beherrschen, weshalb es in der Ausbildung auch thematisiert werde, aber es bilde nicht den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit der Kaufleute. „Leider“, so konnten auch anwesende Auszubildende von manchen ihrer Klassenkameraden berichten, „gibt es Ausbildungsbetriebe“, die die jungen Leute nur als „billige Callcenter-Agents benutzen“. Und das, obwohl am Berufskolleg an der Lindenstraße (bkal) mittlerweile sogar die Möglichkeit geboten wird, parallel zur Ausbildung zur Kauffrau/ zum Kaufmann für Dialogmarketing noch ein vierjähriges Studium zur Fachwirtin/ zum Fachwirt an der hauseigenen Wirtschaftsfachschule zu absolvieren. Dabei können die Studierenden auch Credit-Points für ein weiter führendes Bachelor-Studium der Betriebswirtschaft erwerben, stellte die Bildungsgangleiterin der Fachschule am bkal, Anja Huth vor.

Walter Benedikt der Vizepräsident des Branchenverbands CCV e.V. baut ebenso auf qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er hielt seinen Vortrag zum Thema „Neue Medien im Dialogmarketing – Neue Herausforderungen für Branche und Ausbildung“. Er betonte: „Für einfache Anfragen greift heute niemand mehr zum Telefon.“ Man müsse davon ausgehen, dass heute alle Service-Kunden ihre Fragestellung bereits gegoogelt hätten, also „frisch gesurft“ seien. Aus diesem Grund würden heute nur noch „Anfragen mit einer gewissen Komplexität“ gestellt. Dies habe zur Folge, dass die Arbeit im Dialogmarketing neben einer ständigen Begleitung der Entwicklung neuer sozialer Medien, wie Chats und Messengern wie Whatsapp, im Wesentlichen auch im Wissensmanagement, das heißt in der Aufbereitung von Expertenwissen für die Kunden liege: „Wir brauchen Leute, die bereits im Backoffice komplexe Sachverhalte für Dialogprozesse strukturieren und managen.“, so Benedikt. Trotz aller Beschleunigung in der technischen Entwicklung – auch in der künstlichen Intelligenz - und den steigenden Ansprüchen der Kundschaft an die Schnelligkeit und die Qualität des Services, prognostizierte er: „Das persönliche Gespräch wird es auch in 20 Jahren noch geben.“

Sabine Darenberg, Verantwortliche für die Ausbildung bei der RWE, brachte die Befürchtungen der Teilnehmenden an der Kooperationstagung auf den Punkt: „Wenn wir noch lange warten, bis sich das Bild des Dialogmarketings in der Öffentlichkeit gewandelt hat, dauert es keine weiteren zehn Jahre mehr, dann ist es ausgestorben.“ – Um dies vor dem Hintergrund sinkender Auszubildendenzahlen zu verhindern, hatte Susanne Krey-de Groote, als Leiterin der Abteilung Kommunikation am Berufskolleg an der Lindenstraße die Vertreter der Branchenverbände eingeladen, um gemeinsam eine entsprechende Offensive zu starten. Die gemeinsame Planung und Durchführung der Kooperationstagung stellte dabei einen ersten Schritt dar. „Ich glaube an dieses Berufsbild.“, sagte sie und wollte die Veranstaltung als Möglichkeit zum Networking und Initiation zur Weiterarbeit verstanden wissen. In einem Workshop sammelten die Teilnehmenden Vorschläge zur Verbesserung des Images, beispielsweise durch eine Internetpräsenz mit authentischen Erfolgsstorys aus der Branche sowie der Entwicklung eines Zertifikats für die Qualität in der Ausbildung. Eine andere Gruppe beschäftigte sich mit der Überarbeitung der Ausbildungsordnung, die stärker auf die neuen technischen Entwicklungen eingehen und die zu erwerbenden Kernkompetenzen z.B. im Wissensmanagement schärfer definieren müsse. Die angeregten Diskussionen auf der Tagung am Berufskolleg an der Lindenstraße bewiesen, dass es für alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit ist, das Berufsbild Kauffrau/ Kaufmann für Dialogmarketing weiter zu entwickeln und in seiner Gänze zu präsentieren.

Köln/bkal, 28.10.2015    Lars Lamers

Bilder: Brunke Barelmann

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