Berufskolleg an der Lindenstraße

Kompetenzentwicklung im Einzelhandel – Auswirkungen eines Projekts auf Schule und Unterricht

Mit der Abschlussveranstaltung in Berlin „Flexibel lernen – kompetent Handel(n)“ ging für das Berufskolleg an der Lindenstraße in Köln (BKaL) eine dreijährige intensive Projektphase zur Erweiterung der Kompetenzorientierung in der Gestaltung der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Handel erfolgreich zu Ende – und doch ist es eigentlich erst ein Anfang.

Im Rahmen des Projekts „Flexible Learning im Einzelhandel II“, gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Europäischen Union, Europäischer Sozialfonds, wurden unterschiedliche Arbeitspakete in Abstimmung mit dem Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e.V. (zbb) geschnürt, um sowohl im Rahmen des Schulentwicklungsprozesses am BKaL die Kompetenzorientierung zu verstärken, als auch durch die Entwicklung multimedialer Lernszenarios die Implementierung im Unterrichtsalltag zu ermöglichen.

An unserer Schule führte die Begleitung des Projektes dazu, dass die Kompetenzorientierung konsequent in den Schulentwicklungsprozess integriert wurde. Ausgangspunkt waren dabei Workshops der dualen Partner, jeweils gemeinsam konzipiert und moderiert von Prof. John Erpenbeck und Susanne Krey-de Groote. Gemeinsam war am Ende beiden Workshops die Erkenntnis aller Teilnehmer, dass die Entwicklung eines gemeinsamen Kompetenzverständnisses notwendiger Ausgangspunkt kompetenzorientierter Ausbildungsgestaltung ist (vgl. Krey-de Groote).

 

Diese Workshops bildeten zudem die Grundlage für die Entwicklung eines zentralen Projektergebnisses: Unter Anwendung des KODE®X-Kompetenz-Explorers (Prof. Dr. Volker Heyse/Prof. Dr. John Erpenbeck) wurde erstmalig unter Beteiligung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, Vertretern des Handels und Lehrkräften der Berufsschule ein Kompetenzmodell für den Handel entwickelt. Zu jeder Kompetenz werden hier vier Handlungsanker im Sinne von „beobachtbarem Verhalten“ aufgeführt, die eine praktikable Grundlage für eine Selbst- und Fremdbeobachtung liefern (http://www.flexible-learning.de/infos/#c2237).

Ergänzend zu der Entwicklung multimedialer Lernmodule, die als betriebliche Entscheidungssituationen gestaltet wurden, hat ein Autorenteam konkrete Lernszenarien vorbereitet, die es den pädagogischen Professionals der unterschiedlichen Bildungsinstitutionen ermöglichen sollen, die vorwiegend fachlichen Problemstellungen in Lernumgebungen einzubinden, die eine ganzheitlichere Kompetenzentwicklung zulassen. Die erfolgreiche Bearbeitung der Lernszenarien wird durch den Kompetenzpass Handel erfasst, um die fachübergreifenden Kompetenzen außerhalb der gängigen transparent dokumentieren zu können.

Im Team Teaching erteilter Unterricht unterstützte die systematische Förderung nichtfachlicher Kompetenzen wie Eigenverantwortung und Lernbereitschaft, ergebnisorientierten Handelns und Dialogfähigkeit. „Es geht hier um wirkliche Förderung im wahrsten Sinne des Wortes und eben nicht um eine Selektion.“, so Sandra Karski aus dem BKaL-Team. Befragungen, Testing, Beobachtung und ein Biografie-Workshop ermöglichten eine ganz ungewohnte Perspektive auf die Lernenden. In problemhaltigen Handlungssituationen konnte mit Hilfe von Handlungsankern die Selbst- und Fremdwahrnehmung genutzt werden, um persönliche Entwicklungsziele zu definieren. Die persönliche Entwicklung wurde in Lerntagebüchern dokumentiert und durch Anpassung der Zielvereinbarungen in regelmäßigen Feedbackgesprächen begleitet.

Ein dritter Schwerpunkt des Projekts lag in der Entwicklung eines Qualifizierungskonzepts für das Bildungspersonal. Die Ausbildung einer neuen Lernkultur und die Implementierung der Kompetenzorientierung durch professionelle Begleitung und Fortbildung des Kollegiums hat am BKaL viele Ideen und Konzepte für die erfolgreiche Umsetzung der Ziele ermöglicht. Die erstellten Materialien, Informationen zu Auseinandersetzung mit dem Kompetenzgedanken, der fachwissenschaftliche Input, Protokolle und Zielvereinbarungen wurden während des gesamten Projektzeitraums allen Kolleginnen und Kollegen über das schuleigene Moodle verfügbar gemacht. Didaktische Elemente wie bspw. Handlungsanker, Kann-Listen, kompetenzorientierte Beobachtungsbögen und Lernszenarien haben so den Weg in den Unterricht der KollegInnen gefunden, die nicht primär im Flexible Learning-Team eingesetzt waren. Schulweite und bildungsgangspezifische pädagogische Ganztage haben sich positiv auf die Schulentwicklung ausgewirkt.

Mit Blick auf die geleisteten Entwicklungen zeigt sich, dass wir uns im Rahmen eines Projektes auf einen Weg begeben haben, der noch lange nicht zu Ende gegangen ist. Die Kompetenzorientierung, die durch neue Bildungspläne und Qualifikationsrahmen Auswirkungen auf den Unterricht und die Bewertung hat, erfordert ein hohes Maß an Veränderung in der täglichen Arbeit und kann im Rahmen teamorientierter Projektarbeit als gewinnbringend und motivierend erlebt werden. Ohne entsprechende Ressourcen, motivierte Lehrkräfte und die großzügige Unterstützung durch die Schulleitung erscheint eine solche Leistung nur schwer vorstellbar. Wir setzen dabei weiterhin auf gut organisierte Teams, deren Pionierarbeit innerhalb der Schule frei verfügbar ist, und versuchen durch langfristige Entwicklungsarbeit die Kompetenzorientierung nachhaltig in unsere Schulentwicklung einfließen zu lassen.

Michael Willwert, OV Köln

Quellen

Flexible Learning im Einzelhandel, Projekthomepage der zbb (Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e. V.): www.flexible-learning.de

Krey-de Groote, Susanne: „Kompetenzorientierung als Schulentwicklungsprozess am Beispiel eines Berufskollegs“ in Heyse, V. (Hrsg.) Aufbruch in die Zukunft, Münster 2014

Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK) (Hrsg.) : Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe, Berlin 2011, S. 15

Weinert, F. E.: Leistungsmessung in Schulen - Eine umstrittene Selbstverständlichkeit. In: Weinert, F. E. (Hrsg.): Leistungsmessung in Schulen. Weinheim u. Basel 2001, S. 27

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