Berufskolleg an der Lindenstraße

Gezielte IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal

Neue Anforderungen an Lehrkräfte in Ausbildungsberufen – Projekt am Kölner Berufskolleg an der Lindenstraße

2014 wurde der Ausbildungsberuf „Kaufmann/ -frau für Büromanagement“ novelliert. Ausbildungspersonal an den Lernorten des dualen Systems muss zur Wahrnehmung seiner Ausbildungsverantwortung vermehrt IT-Kompetenzen besitzen. In einem Projekt entwickeln das Berufskolleg an der Lindenstraße Köln (BkaL), die für den Europäischen Computerführerschein (ECDL) in Deutschland verantwortliche Dienstleistungsgesellschaft für Informatik (DLGI) und das Foraus (www.foraus.de), das Internetportal für betriebliches Ausbildungspersonal, des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), fallbeispielhafte Szenarien zur individualisierten Vermittlung von IT-Basiswissen, um für Ausbildungsverantwortliche das Potenzial digitaler Medien zu erschließen.

Thomas Michel (Direktor der Initiative ECDL Deutschland), Angelika Riedel (Schulleiterin Berufskolleg an der Lindenstraße), Dr. Hartmut Sommer und Laura Lücker (ECDL Deutschland), Heinz Hagel (Studiendirektor)

 

Der novellierte Ausbildungsberuf „Kaufmann/ -frau für Büromanagement“ gibt es ganz klar vor: Die Integration von PC-Anwendungen in die Ausbildung und den Unterricht ist seit dem Ausbildungsstart im Herbst 2014 verbindlich. Außerdem setzt die neue Ausbildungsordnung voraus, dass das Ausbildungspersonal selbst ausreichende IT-Kompetenz besitzt. Für die ausbildenden Betriebe und die Berufsschulen ist das eine große Herausforderung. Die fortschreitende Informatisierung der Arbeitswelt, die sich auch in modernisierten Ausbildungsordnungen niederschlägt, war für das BIBB Anlass, dieses Projekt, fallbeispielhaft ausgerichtet auf den novellierten Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau für Büromanagement, die IT-spezifischen Anforderungen an das Ausbildungspersonal zu analysieren. „Dieser Beruf wird von klassischen, in den IHKs organisierten kaufmännischen Ausbildungsbetrieben, aber auch von Handwerksbetrieben und den öffentlichen Verwaltungen ausgebildet. Das Feld der betrieblichen Anwendungsgebiete und Voraussetzungen ist entsprechend groß. Hier bedarf es, auch im Hinblick auf die am BkaL groß geschriebene Lernortkooperation, Standards, auf die sich alle Beteiligten einigen können“, betont Susanne Krey-de Groote, zuständige Abteilungsleiterin und Projektkoordinatorin am BkaL.  Können Standards wie der ECDL, bereits notwendiges IT-Basiswissen vermitteln, um dem Ausbildungsauftrag angemessen nachkommen zu können?

Unterrichtsinhalte würden zur Zeit noch zu wenig in Bezug auf die einschlägige Anwendungssoftware gesehen, findet z.B. die Leiterin des Berufskollegs an der Lindenstraße, Frau Angelika  Riedel. „Ausbildungspersonal beispielsweise muss Textverarbeitungs- und Präsentationssoftware beherrschen“, erläutert sie und ergänzt: „Wir  müssen auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen sein. Wer da die Grundlagen nicht beherrscht, kann nicht mithalten“. IT-Lehrer Michael Flöter weiß das. „Der Europäische Computerführerschein (ECDL) ist für uns in diesem Fall die beste Lösung: er deckt alle wichtigen Grundlagen ab und nützt den Lehrkräften auch unabhängig vom Bildungsgang in dem sie unterrichten“.

„Der ECDL beinhaltet alle für die kaufmännischen Berufe wichtigen IT-Qualifikationen“, betont Schulleiterin Riedel. Michael Flöter ergänzt: „Für uns ist das Projekt sehr wichtig, weil wir als Berufskolleg bei der Umsetzung der neuen Anforderungen eine hohe Eigenverantwortung tragen“. Die DLGI unterstützt das Berufskolleg hier bei der Bildungsanalyse, die gezielt die Module des ECDL herausarbeitet, die für das Ausbildungspersonal relevant sind. „Unser Computerführerschein befähigt die Ausbildungsverantwortlichen dazu, selbst digitale Medien für den Unterricht zu nutzen und den Auszubildenden ihr praktisches Wissen zu vermitteln“, erläutert Thomas Michel die Aufgabe der DLGI innerhalb des Projektes.

Derzeit finden erste Workshops mit Ausbildungsverantwortlichen aus Betrieben und Fachlehrern am Kölner Berufskolleg statt. IT-Lehrer Michael Flöter und seine Kollegin Ira Heup haben auf Grundlage der didaktischen Jahresplanung, der Ausbildungsordnung und der Diagnosetests des Europäischen Computerführerscheins individuelle Qualifizierungsmaßnahmen für ihre Kollegen entwickelt. „Jeder teilnehmende Ausbilder hat von uns ein persönlich zugeschnittenes Fortbildungsprogramm bekommen“, erklärt Flöter. Denn: der Kenntnisstand der einzelnen Ausbilder ist jeweils sehr unterschiedlich.  Als Abschluss des Pilotprojektes absolvieren die Ausbilder die ECDL-Prüfung. „So sehen wir  als Dozenten und die Teilnehmer selbst ihren Lernfortschritt. Außerdem können die Lehrer ihre Computerkompetenz auch für Externe nachweisen“, unterstreicht Schulleiterin Angelika Riedel die Bedeutung des ECDL-Zertifikats.

„Wir begreifen dieses Pilotprojekt als Chance für andere Ausbildungsberufe“, erklärt DLGI Geschäftsführer Thomas Michel. „Am Ende wollen wir auch anderen Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben unser maßgeschneidertes ECDL-Profil für das Ausbildungspersonal anbieten“, blickt er in die Zukunft.  Ausbildungseinrichtungen sollen so Gestaltungsoptionen  für die tägliche Ausbildungspraxis, die ohne die ergebnisorientierte Nutzung digitaler Medienformate nicht mehr denkbar und wettbewerbsfähig ist, erschlossen werden. Das BIBB verspricht sich aus dem Projekt Erkenntnisse zur Förderung der medienpädagogischen Kompetenz des Ausbildungspersonals, um Hinweise für einen strukturierten und bewussten Umgang mit den vielfältig zur Verfügung stehenden digitalen Werkzeugen zu erhalten.

„Projektkoordinatorin Susanne Krey-de Groote freut sich über die ausgesprochen zielorientierte Kooperation der beteiligten Institutionen: „ Der interdisziplinäre und partizipative Ansatz des Projekts ermöglicht es der angesprochenen Zielgruppe,  Ausbildungsverantwortlichen des täglichen Ausbildungsgeschehens, aus Ihrer Sicht und auf Grundlage ihrer individuellen Anforderungen und Erfahrungen ein realitätsnahes Arbeitsergebnis zu erzielen.“

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