Berufskolleg an der Lindenstraße

Heimat, Flucht und Fliehkräfte – Angehende Wirtschaftsabiturientinnen und –abiturienten inszenieren Gedichte und eine Szenencollage zum Thema Flüchtlingskrise

Am Ende stand mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 13 die Hälfte des Publikums auf der Bühne. Dort ließen sie sich am 2. Februar von der anderen Hälfte des Saales noch einmal mit einem Abschlussapplaus in der Aula des bkal feiern. Auch ihre Lehrerinnen Luzia Tallon und Irene Martschukat sowie Lars Lamers zeigten sich erleichtert und zufrieden mit den Leistungen der Literaturkurse. Die Klassen WG31 und WG32 hatten im vergangenen Schulhalbjahr im Unterricht Gedichte von Rose Ausländer über Bert Brecht und Heinrich Heine bis Peter Weiss unter dem Titel „Wer seid Ihr? – Ein Programm über Flucht, Heimat und Exil“ für die Bühne inszeniert. Die Klasse WG33 hatte ausgehend von Internetrecherchen zur aktuellen Flüchtlingskrise hingegen eine eigene Szenencollage mit dem Titel „Fliehkräfte“ erarbeitet.

 

Die gute Vorbereitung sollte sich lohnen, denn das Publikum folgte dem Schauspiel konzentriert und ließ sich auch emotional anstecken: Es war ergriffen, als Jonah Shepherd als personifizierter Tod das Lebenslicht der Heimatlosen aus Heinrich Heines Gedicht „Wo?“ auslöschte, und lachte laut, als Jethro Ngaya in „Fliehkräfte“ als Hummer und Kaviar essender Tourist seine Flasche Wasser vor einem verdurstenden Flüchtling verteidigte. Eine von der Schülerin Pantea Faramand erstellte Bildcollage mit erschütternden Bildern von dem Leid flüchtender Menschen berührte die Zuschauerinnen und Zuschauer besonders. Auch aus diesem Grund blieb wohl vielen das Lachen im Halse stecken, als am Ende von „Fliehkräfte“ Cengis Artan als Hitler und Nico Freund als Ché Guevara einander vor einem deutschen Flüchtlingsheim erwürgten. Sie symbolisierten die extremen politischen Lager, die die Flüchtlinge als die eigentlichen Leidtragenden derzeit auch in den Medien oft aus dem Fokus der Aufmerksamkeit drängen.

Nach Theaterprojekten in den beiden vergangenen Jahren und in diesem Jahr beginnt das Literaturteam um Martschukat, Tallon und Lamers eine Theatertradition am Berufskolleg an der Lindenstraße zu etablieren. Dabei kooperieren sie auch mit den Profis aus dem Theater im Bauturm. Der pädagogische Wert der Theaterarbeit an dem kaufmännischen Berufskolleg an der Lindenstraße liegt dabei auf der Hand: „Neben der intensiven Teamarbeit auf und hinter der Bühne üben die Schülerinnen und Schüler durch das Hineinversetzen in andere Personen und Rollen auch wichtige Leadership-Skills ein.“, so Irene Martschukat. Deshalb habe das Schauspielern nicht nur einen allgemeinbildenden Wert, sondern passe auch bestens in das Profil des Wirtschaftsgymnasiums.

bkal/Lamers

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