Berufskolleg an der Lindenstraße

Coltanfieber – Schüler des Wirtschaftsgymnasiums zu Gast beim Festival Africologne im Bauturmtheater

„Hier hast Du ein Stück Kongo“ – Mit diesen Worten gibt einer der fünf Akteure die (scheinbar) zuvor auf der Bühne zerlegten Publikumshandys zurück. Jeder, der moderne elektronische Geräte besitzt, trägt etwas Kongo mit sich. Denn ohne ein Stück des überwiegend im Kongo gewonnenen kostbaren Erzes Coltan würden unsere Handys, Computer oder Playstations vor Hitze explodieren.

Das Stück erzählt anhand einer Reise den Weg des Coltans vom Kongo bis zu den in den Industrienationen massenweise verkauften, technischen Endprodukten. Es ist eine Geschichte von Ausbeutung und Gewalt, extremer Armut und verschwenderischem Reichtum. Es geht um Kinderarbeit im Kongo, die mit drei US-Dollars im Monat vergütet wird, und Unternehmen in den USA, die mit Kommunikationselektronik über 30 Milliarden US-Dollars Umsatz im Jahr erzielen.

Und es erzählt von den Erfahrungen des Schauspielers und Musikers Yves Ndagano, geboren im Jahr 1989 in der Republik Kongo, als Kindersoldat und Arbeiter in einer Coltan-Miene.

Das Besondere an diesem Stück war für uns, dass vor uns ein Mensch stand, der genau das erlebt hatte, was wir in den Medien nur als abstrakte Information wahrnehmen. Wir haben gesehen, wie die hölzerne Puppe Leopold, die Yves als Jungen darstellt, leidet.

Überraschend war, dass die Rollen der Schauspieler getauscht waren. Die weißen Schauspieler spielen die schwarzen und umgekehrt. Dies haben wir als Zeichen der Gleichheit verstanden. Egal, ob weiß oder schwarz, wir Menschen sind alle gleich. Zu Beginn des Stücks hat einer der vier Schauspieler sein schwarzes Gesicht aus der Bodenluke herausgetreckt und dicht daneben erschien die Hand eines weißen Darstellers – auch dies ein Symbol für die Gleichheit der Menschen.

„Ich werde mit allen Mitteln versuchen nach Europa zu gelangen.“ Dieser Satz des von der Puppe dargestellten Jungen, löst Erschrecken, Mitleid und Trauer beim Publikum aus, als die Puppe in ihrem Schiff aus Papier im Meer versinkt.

Dieses Stück ist sehr gelungen, nicht nur, weil es auf einer wahren Begebenheit beruht, sondern jeden Menschen betrifft. Wir sind die Nutzer der elektronischen Geräte. Wir brauchen Coltan. Wir profitieren davon, dass Menschen wie Yves leiden, weil sie ausgebeutet werden.

„Kongo c’est toi. Kongo c’est moi. Kongo c’est nous.“

Shqiponje, Ana, Jonah, Anita und andere Schüler der WG 32

Partnerschaft von Bkal und Bauturmtheater

Der Besuch der Schüler des Wirtschaftsgymnasiums erfolgte im Rahmen der Partnerschaft des Berufskollegs an der Lindenstraße mit dem Theater im Bauturm. 2014 haben wir am Berufskolleg mit Klassen der Höheren Handelsschule und des Wirtschaftsgymnasium das Stück „Woyzeck“ von Georg Büchner inszeniert. Im Schuljahr 2015/16 wird ein Antigone-Projekt die Kooperation von Schule und Theater fortsetzen.

 

Coltanfieber – die Schauspiele Patrick Joseph, Yves Ndagano und Gianni La Rocca mit der Puppe „Leopold“ von Michael Pietsch.

Das Stück ist eine Koproduktion des Theater im Bauturm – Freies Schauspiel Köln mit dem Festival Récréâtrales, Ouagadougou/Burkina Faso, dem Tarmac des Auteurs, Kinshasa/DR Kongo und dem Goethe-Institut Kigali/Rwanda. Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Bezirksregierung Köln, der Kunststiftung NRW, der DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, der Kulturstiftung Matrong und der Rudolf Augstein Stiftung.

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